Magazin Luftfeuchte 2024 Juni 02

Autor:
Andreas Zwigart

Das richtige Raumklima für Qualität und Produktivität in der Textilverarbeitung


Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

Kleidungsstücke, die ihre Form verlieren, ungleiches Webgut und brechende Fäden. Eine der häufigsten Ursachen für diese Herausforderungen ist eine zu trockene oder zu feuchte Produktionsumgebung. Für die Textilindustrie ist die Bedeutung von einer geregelten Luftfeuchte allgemein bekannt, doch wird die Bedeutung von Luftbefeuchtungssystemen noch immer unterschätzt.


Erhöhte Luftfeuchtigkeit führt zu mehr Wertigkeit von Textilprodukten

Fasern, Garne und Stoffe reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit. Ist die Raumluft zu trocken, schrumpfen sie und werden brüchig, sie geben Feuchtigkeit ab und verlieren dabei an Elastizität. Ist die Luft zu feucht, dehnen sie sich aus. Eine Veränderung des Raumklimas kann daher zu Fadenbrüchen, Unregelmäßigkeiten, schlechtem Materialdurchlauf oder einer reduzierten Schusszahl führen. Eine Menge Komplikationen, die Produktionsausfälle und steigende Kosten nach sich ziehen.


Luftfeuchte niedriger als Materialfeuchte Stoffe geben Feuchtigkeit ab
Luftfeuchte mit Materialfeuchte in Balance
Luftfeuchte höher als Materialfeuchte Stoffe nehmen Feuchtigkeit auf


Für eine optimale Verarbeitung müssen Fasern und Garne geschmeidig sein. Es zeigt sich, dass die ideale Luftfeuchtigkeit für die meisten Verarbeitungsprozesse bei 65 % und darüber liegt. Wie hoch die relative Luftfeuchte ist, hängt davon ab, wie viel Feuchtigkeit die Luft bei unterschiedlichen Temperaturen aufnehmen kann. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als Kalte. Daher gilt im Umkehrschluss: Je kälter es ist, desto höher ist die Luftfeuchtigkeit, je wärmer es ist, desto niedriger ist die Luftfeuchtigkeit. Da die Werte für ein ideales Raumklima natürlicherweise in den meisten Gebieten eher selten passen, bieten Verdunster, Verdampfer und Zerstäuber die Möglichkeit, durch präzise Luftfeuchte für perfekte Produktionsbedingungen zu sorgen. Die Materialien werden nachhaltig geschützt. Unternehmen können sich daher über entsprechend hochwertigere Textilprodukte freuen. In einer Studie fand das Institute of Textile Technology USA heraus, dass durch eine Steigerung der relativen Luftfeuchte um 10 % eine Erhöhung der Elastizität von 15,3 % erreicht wird. Außerdem reduzierte sich die Anzahl der Kettenbrüche um 31 % bei Erhöhung der Luftfeuchtigkeit von 53 % auf 68 %. Die Zahlen sprechen für sich.


Unregelmäßigkeiten vorbeugen

Nicht nur, dass Fasern, Garne und Stoffe spürbar auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit reagieren, sie tun dies auch ziemlich schnell. Besonders bei hohen Temperaturdifferenzen zwischen den Produktionsinnenräumen und der einströmenden Außenluft, können Garne und Fasern innerhalb kürzester Zeit austrocknen oder zu viel Feuchtigkeit aufnehmen. Daher ist es umso wichtiger vorzubeugen und für eine konstante Luftfeuchtigkeit zu sorgen, damit die Qualität der Rohstoffe nicht unter der zu trockenen oder zu feuchten Luft leidet. Auch Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht können für Mängel in der Produktion verantwortlich sein. Liegt die Tagestemperatur beispielsweise um einiges höher als in der Nacht, kommt es bei der Abkühlung zu einem Feuchtigkeitsniederschlag. Der Unterschied zwischen der relativen Luftfeuchte am Tag und in der Nacht führt hier zu Materialdifferenzen, die den hochwertigen Verarbeitungsprozess stören. Auch die Lagerung unter verschiedenen Feuchtigkeitsbedingungen spielt eine große Rolle. Allein Feuchtigkeitsdifferenzen bei den Haft-Gleitwirkungen der Kammzüge sorgen für Ungleichheiten und Batzenbildung. Insbesondere Melangen sind von einem unregelmäßigen Raumklima betroffen, da durch die unterschiedlichen Farbpässe beim Einmischen oftmals ungleiche Banddichten auftreten, die zu unschönen filzigen oder bauschigen Oberflächen führen.

Moderne Luftbefeuchtungssysteme stabilisieren die Luftfeuchte und senken das Risiko für die, aufgrund der Ungleichheiten, auftretenden Mängel. Wichtig ist, dass Produktions- und Lagerräume Tag und Nacht auf einem gleichbleibenden Feuchtigkeitswert gehalten werden. Mit einer technischen Luftbefeuchtung kann eine gleichbleibende Qualität sichergestellt werden.




Änderungsgeschwindigkeit für Feuchtigkeitsverlust von verschiedenen Textilien, wenn sie trockener Luft ausgesetzt sind


Einfachere Verarbeitung von Fasern und Garnen

Die Nutzung einer aktiv geregelten Luftfeuchte in der Textilindustrie hat einen weiteren großen Vorteil – die Reduzierung von elektrostatischen Aufladungen. Insbesondere synthetische Fasern leiten den elektrischen Strom nicht und ihre Oberfläche reichert sich mit statischer Elektrizität an. Die Folge: Die Fasern stoßen sich ab, streben auseinander und lassen sich schlecht kämmen. Bei einer relativen Luftfeuchte von 50 % bis 55 % erhöht sich die Leitfähigkeit der Luft und der Materialoberfläche, sodass elektrische Ladungen abgeleitet werden. In Versuchen mit Nylon und Azetatseide wurde aufgezeigt, dass die Ladung verringert werden kann, wenn die Luftfeuchtigkeit erhöht wird. Bei einer relativen Luftfeuchte von 40 % bleibt die Ladung eine Stunde lang wirksam, bei einer solchen von 70 % klingt die Ladung sofort ab.
Auch wenn sich elektrische Ladung nicht vollständig vermeiden lässt, da diese auch beim Kontakt von Textilfasern mit Walzen, Ösen oder Fadenführern entstehen kann, wird mit einer konstanten Luftfeuchte die Verarbeitung zu einem glatten und festen Garn um einiges erleichtert.


Fazit

Höhere Produktivität und gleichbleibende hohe Qualität der Produkte sind zwei große Nutzen, die mit dem Einsatz eines Luftbefeuchters zu erwarten sind. Gleichzeitig beugt ein angenehmes Raumklima gesundheitlichen Gefährdungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor. Da jede textile Produktion unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden muss, stellt eine individuelle Beratung sicher, dass die idealen Feuchtigkeitswerte gehalten werden und damit eine optimale und gleichbleibende Luftfeuchte garantiert wird.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Zwigart
Vertrieb Condair GmbH
Luftfeuchte
in der Prozesstechnik


Umfang: 106 Seiten
Format: Din A5

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